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Buchtipp: „Keine Angst vor großen Zielen“ Meredith Michaels-Beerbaum

| Test & Bewertung | 30. November 2012   (Veröffentlicht: 24. November 2012)

 
Buch Meredith Michaels-Beerbaum

„Keine Angst vor großen Zielen“ von Elmar Pollmann-Schweckhorst ist November 2012 im FN Verlag erschienen

Dieses Buch ist anders als man es auf den ersten Blick erwarten möchte. Gerade deshalb ist es mir ein großes Anliegen, ihm hier – kurz nach dem Erscheinungstermin Mitte November – eine Buchrezension zu widmen.

Zunächst sieht man in „Keine Angst vor großen Zielen“ eine typische Biographie. Dass die Springreiterin und erste (beziehungsweise einzige) Frau an der Spitze der Weltrangliste in diesem Sport, Meredith Michaels-Beerbaum, ein Garant für hohe Leserzahlen sein würde, daran bestand schon vor Veröffentlichung kein Zweifel. Der Fanclub der Dame ist schließlich riesengroß und über soziale Netzwerke und Co. verbreitete sich die Nachricht von diesem Buch wie ein Lauffeuer. Auch auf dem Stuttgarter Hallenturnier „German Masters“ war das Buch ein echter Verkaufsschlager. Doch wusste man vorab noch nicht, welch hohe Qualität dieses Buch tatsächlich besitzt.

 

Pferde sind mein Leben

Rückblick 2008: Mit „Pferde sind mein Leben“ veröffentlichte die Kinder- und Jugendbuch Autorin Katrin Kaiser die erste Meredith-Biographie. Zielgruppe waren damals junge pferdebegeisterte Mädchen ab 10 Jahren. Erzählt wurde von Meredith´ Lebensweg, von ihren Pferden und obendrein gab es Tipps für junge Reiter von Meredith selbst. Ein gelungenes Gesamtkonzept, wenn man nicht als erwachsener Leser nicht doch einiges hätte genauer wissen wollen!

Mit Katrin Kaiser zusammen wollte Meredith Michaels-Beerbaum dann auch im Folgejahr eine Biographie für Erwachsene verfassen – allerdings scheiterte dieses Unternehmen an Unstimmigkeiten über die Themenwahl im Buch.

Meredith Michaels-Beerbaum Biographie von einem Reitsport-Experten

Buch Meredith Michaels-Beerbaum

Keine Angst vor grossen Zielen

Mit Elmar Pollmann-Schweckhorst, dem Bruder des Springreiters Alois Pollmann-Schweckhorst, schrieb nun ein echter Pferde- und Springsport-Experte die MMB-Biographie. Bekannt war er Beerbaums natürlich schon lange – als Bruder des Spitzenreiters, aber auch weil sie zu seinem brillanten Buch „Springpferdeausbildung heute“ das Vorwort verfasst hatten.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass hier ein Buch entstanden ist, dass auch die Reiterin selbst faszinieren dürfte. Dennoch ist bei Pollmann-Schweckhorst nicht alles „eitel Sonnenschein“ und seine eigene Meinung kommt immer wieder durch. So sieht er beispielsweise nicht Michaels-Beerbaums Technik Pferde zu reiten als das Nonplusultra an, doch für sie ist es der richtige Weg – und ihre Pferde sind glücklich damit.

„Ihr Leben – ihre Methode – ihre Philosophie“ möchte Pollmann-Schweckhorst im 160 Seiten starken Buch beschreiben. Kurz gefasst: Es gelingt ihm vortrefflich!

Nicht nur eine Biographie

Meredith Michaels-Beerbaum

Meredith Michaels-Beerbaum

Dies ist keine schlichte Biographie, sondern eine Beschreibung der „Methode Meredith“. Grandios gelungen ist die Kombination der Erzählung des Lebens der Reiterin mit der Analyse, wie sich Erlebnisse und Erlerntes auf ihre Reitweise auswirkten.

„Man sollte aus ihrem Leben einen Film drehen“, meinte wohl einst George Morris, US-Bundestrainer seit Jahrzehnten und auch Meredith´ Trainer in ihrer Jugendzeit. Wie wahr, möchte man denken, wenn man im Buch den Werdegang von Meredith liest: Vom kleinen Mädchen im Reitverein Foxfield über das harte Training bei Karen Healey und Morris sowie Paul Schockemöhle hin zum Wechsel der Staatsbürgerschaft, dem ersten – historischen – Championatsstart mit Stella 1998, als noch niemals eine deutsche Reiterin in einer Springreitermannschaft bei einer Meisterschaft geritten war, und natürlich zu Pferden wie Shutterfly, Checkmate und jetzt Bella Donna, die allesamt in die Geschichte des Reitsports eingehen dürften.

„Einen Shutterfly gibt es für mich nur einmal“, sagt Meredith selbst, doch wie sie mit Bella Donna ein neues Pferd auf das Spitzenniveau brachte, dass es mit nur neun Jahren bei den Olympischen Spielen teilnehmen konnte, ist faszinierend.

Meredith-Methode

Meredith Michaels-Beerbaum - Biografie

Meredith Michaels-Beerbaum

Wie sie so etwas schafft, beschreibt Pollmann-Schweckhorst im Teil „Die Meredith-Methode“. Wie schafft es ein solch kleiner und zierlicher Mensch, die Pferde auf seine Seite zu ziehen? Wie gelingt es Meredith nicht wie anfangs ihrer Karriere ständig aus dem Sattel katapultiert zu werden? Wie wichtig ist ihr Dressur im Training? Wie schafft sie es, dass ihre Pferde für sie kämpfen?

Losgelassenheit und Zwanglosigkeit sind laut Pollmann-Schweckhorst sicherlich zwei Zauberwörter ihrer Philosophie.

Ein Beispiel, das der Autor beschreibt, ist, dass die Reiterin meist schärfere Gebisse benutzt als deutsche, männliche Kollegen. Kritisiert wurde sie dafür schon in diversen Foren und Publikationen. Doch keiner der Kritiker achtet darauf, dass Meredith mit den Gebissen umgehen kann und dass sie feinfühliger ist als viele Kollegen.

Das leitet zum letzten Kapitel „Partner werden, Partner sein“ über, welches erzählt, dass Meredith Michaels-Beerbaum zu vielen ihrer Pferde fast eine Liebesbeziehung führt. Bei Stella war das so, bei Quick Star, Just do it, Shutterfly und Checkmate – und jetzt erlebt sie es wieder bei Bella Donna. Niemals könnte sie ihren Pferden wehtun oder sie quälen – ihnen auch nur eine Sache aufzwingen, die sie absolut nicht wollen.

Als Beispiel fügt Pollmann-Schweckhorst die Geschichte von Shutterflys Verstörung beim Pferdewechsel bei den Weltreiterspielen in Aachen 2006 an, bei der Meredith fast verzweifelt wäre, auch weil der ehemalige Trainer George Morris das Pferd noch mehr Qualen zufügen wollte, als es das ständige Wechseln des Sattels nicht ohnehin schon für das Tier war.

Wie es kam, dass sie sich mit US-Trainer Morris wieder versöhnen konnte obwohl es immer wieder Unstimmigkeiten gab, wird ebenso beschrieben wie das Verhältnis zu Sponsorin Nancy Clark und vielen weiteren wichtigen Menschen in MMBs Leben einschließlich ihrer Familie.

Viel Reitsport-Fachbuch

Meredith Michaels-Beerbaum

Meredith Michaels-Beerbaum

Pollmann-Schweckhorst verzichtet nicht darauf, seine eigene Art von Buch zu schreiben: „Keine Angst vor großen Zielen“ ist erstaunlich viel Reitsport-Fachbuch und weniger Biographie. Fachleute hätten dies bei einer Publikation des FN Verlags erwartet, nicht jedoch die breite Masse.

Doch genau das macht das Buch so besonders! Ich habe es selbst an einem Tag durchgelesen und muss sagen, dass man keinen Moment davon gelangweilt ist. Einige Passagen über Reitlehre und die „Meredith-Methode“ verdienen auch noch genauere Betrachtung meinerseits wie von den vielen anderen Lesern, die dieses Buch haben wird.

Stilistisch ist es sehr gut geschrieben, die vielen – teils unbekannten – Farbbilder tun ein Übriges, um hier brillante Unterhaltung mit Tiefe entstehen zu lassen. So finden sich ebenso die Fans der Springreiterin wieder wie diejenigen, die sich lediglich fachlich für ihre Reiterei interessieren.

Einzig und allein für Kinder unter 12 Jahren ist das Buch teilweise zu anspruchsvoll geschrieben. Echte Fans unter den Kleinen sollten das Buch auf jeden Fall gemeinsam mit den Eltern anschauen, damit sie die Inhalte verstehen.

Wer noch kein passendes Weihnachtsgeschenk für einen Meredith Fan hat – hier ist es!

PS: Zum Abschluss noch eine Bemerkung, was mir als literarisch interessierter Kulturwissenschaftlerin als „Schmankerl“ besonders gefallen hat: Pollmann-Schweckhorst fügte Zitate von Rilke und anderen Dichtern ein und beendete sein Buch mit einer wunderschönen Metapher des indischen Philosophen und Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore. Keine anderen Worte, als jene des Weisen hätten den Inhalt des Buches besser zusammenfassen können! Ein Lob an den Autor für diesen Einfall!

Bezugsquelle

„Keine Angst vor großen Zielen“ erschien im FN-Verlag und ist für 19,90 Euro erhältlich.

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Bewertung: 9.7/10 ( 48 Stimmen abgegeben)



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3 Kommentare zu “Buchtipp: „Keine Angst vor großen Zielen“ Meredith Michaels-Beerbaum”

  1. “Ein gelungenes Gesamtkonzept, wenn man nicht als erwachsener Leser nicht doch einiges hätte genauer wissen wollen!
    Mit Katrin Kaiser zusammen wollte Meredith Michaels-Beerbaum dann auch im Folgejahr eine Biographie für Erwachsene verfassen – allerdings scheiterte dieses Unternehmen an Unstimmigkeiten über die Themenwahl im Buch.
    Mit Elmar Pollmann-Schweckhorst, dem Bruder des Springreiters Alois Pollmann-Schweckhorst, schrieb nun ein echter Pferde- und Springsport-Experte die MMB-Biographie. Bekannt war er Beerbaums natürlich schon lange – als Bruder des Spitzenreiters, aber auch weil sie zu seinem brillanten Buch „Springpferdeausbildung heute“ das Vorwort verfasst hatten.”

    1. Möchtest du hier vielleicht noch andere Bücher rezensieren? Ansonsten halte ich solch starke Wertungen, die nicht näher begründet werden, für unangebracht.
    2. Woher hast du diesen Grund für das Nicht-Erscheinen des zweiten Buches von Kaiser? Abgesehen davon, dass ich nicht denke, dass das der Grund war.
    3. Wieso kritisiert man ein KINDERbuch aus Erwachsenensicht? Für die ist es doch nicht geschrieben…

    “Bei Stella war das so, bei Quick Star, Just do it, Shutterfly und Checkmate – und jetzt erlebt sie es wieder bei Bella Donna.”

    Bei Checkmate “war” zu benutzen ist nicht nur gewagt, sondern auch sachlich komplett falsch. Der Wallach ist noch nicht verabschiedet und soll nächste Saison noch gehen.

    “Einzig und allein für Kinder unter 12 Jahren ist das Buch teilweise zu anspruchsvoll geschrieben. Echte Fans unter den Kleinen sollten das Buch auf jeden Fall gemeinsam mit den Eltern anschauen, damit sie die Inhalte verstehen.”

    Das Buch ist schlicht und ergreifend nicht für kleine Kinder gedacht – es sollte daher auch nicht von Erwachsenen den Kindern erklärt werden, weil es ungeeignet ist. Zum einen ist ein 10-jähriges Kind nicht in der Lage, z.B. die Zusammenhänge natürlicher Gegebenheiten (Körpergröße Meredith Michaels-Beerbaums, Statur & Art ihrer Pferde usw) und ihrer Technik irgendwie zu verstehen (um nur ein Beispiel zu nennen), zum anderen sind auch Teile der aufgenommenen biographischen Aspekte für Kinder so noch nicht umzusetzen bzw einzuordnen. Entsprechend ist “zu anspruchsvoll” auch keine angemessene Formulierung.

    “Als Beispiel fügt Pollmann-Schweckhorst die Geschichte von Shutterflys Verstörung beim Pferdewechsel bei den Weltreiterspielen in Aachen 2006 an, bei der Meredith fast verzweifelt wäre, auch weil der ehemalige Trainer George Morris das Pferd noch mehr Qualen zufügen wollte, als es das ständige Wechseln des Sattels nicht ohnehin schon für das Tier war.”

    1. In sprachlicher Hinsicht bitte erneut überdenken.
    2. Nicht jedem Leser ist sofort klar, was gemeint ist (das ständige Umsatteln, die vielen Menschen und der Lärm lösten bei dem sensiblen Wallach Panik aus), daher sollte so etwas dann doch einmal erläutert werden, wenn man es schon aufgreift
    3. Worauf hier im Bezug auf George Morris angespielt wird, ist VOR dem Pferdewechsel geschehen, entsprechend bedarf der Satz auch im Bezug darauf einer Überarbeitung.
    4. Von Merediths Beziehung zu ihren Pferden auf den US-Trainer und ihren ehemaligen Trainer der Reiterin zu kommen ist… nunja, man könnte sagen die Zusammenhänge sind etwas an den Haaren herbei gezogen. Im Übrigen ist die gesamte Argumentationsstruktur nicht wirklich stringent.

    “Zum Abschluss noch eine Bemerkung, was mir als literarisch interessierter Kulturwissenschaftlerin als „Schmankerl“ besonders gefallen hat: Pollmann-Schweckhorst fügte Zitate von Rilke und anderen Dichtern ein und beendete sein Buch mit einer wunderschönen Metapher des indischen Philosophen und Nobelpreisträgers Rabindranath Tagore. ”

    Welche Referenzen hast du denn als solche vorzuweisen? ;)
    Die meisten dieser Zitate (Tagore und auch Alexander ausgenommen) stehen in keinem Zusammenhang zum Text. Es wäre im Fließtext des Buches zumindest darauf einzugehen, was aber nicht getan wird. So stehen sie einfach mitten darin – nicht wirklich fein geschrieben.

    Bitte, bitte, bitte überarbeite deine Art zu rezensieren!!!

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    Bewertung: 0 (von 0 Stimmen)
    • Hallo Caro,

      1. In der Tat möchte ich das Buch “Springpferde Ausbildung heute” hier noch rezensieren – es ist für mich eines der besten auf diesem Gebiet!
      2. Das Buch haben viele Erwachsene gelesen, die es zu kindlich geschrieben fanden. Ich finde es für Kinder bestens geeignet. Aber es war als “Meredith Biographie, als die es oft vermarktet wurde, nicht geeignet.
      3. Es gab Unstimmigkeiten zwischen MMB und der Autorin – ob es der einzige Grund fürs Nichterscheinen war, weiß ich nicht. Ich möchte darauf aber schlicht nicht weiter eingehen, da es Schnee von gestern ist!

      4. Das “war” bei Checkmate sollte nicht auf eine vergangene Karriere anspielen, sondern darauf, dass MMB zu ihm eine große Liebe entwickelte – und das ja nicht gerade aktuell!

      5. Viele Kinder – auch unter 12 – möchten das Buch lesen, bzw. wünschen es sich zu Weihnachten…. viele MMB Fans haben schließlich dieses Alter! Sollte man ihnen das Buch einfach vorenthalten? Das halte ich für unklug, ich weiß selbst, dass man sich davon auch mit 10 nicht abhalten lässt, es zu kaufen oder irgendwie anders (durch Opa, Oma etc.) ranzukommen! Ich habe als Kind schon Erwachsenenbücher mit meiner Mutter gelesen, da ich mich nie davon hätte abhalten lassen – und empfand es als klug, wie sie das gehandhabt hat!

      6. Ich habe einen Bachelor in Kulturwissenschaften. Und die Zitate haben mir persönlich gefallen. Da ich weiß, dass es bestimmt nicht jedem so geht, habe ich das PS geschrieben, da dies nur meine eigenen, persönlichen Geschmack wiedergeben sollte.

      Deine Anmerkungen finde ich etwas zu hart, aber ich nehme auch Kritik an. Mit dem Fehler bei dem WM Aachen Abschnitt hast du recht – danke für die Anmerkung!
      Mit der Herstellung von Zusammenhängen wird es in einer solch kurzen Rezension aber schwierig. Sie soll ja nicht das Buch erzählen, sondern Lust aufs Lesen machen!

      Grüße von der Autorin,

      Alexandra

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      Bewertung: +2 (von 2 Stimmen)
  2. also erstmal: das Buch ist toll :)

    aber ich muss sagen, auch wenn dir das als “als literarisch interessierte Kulturwissenschaftlerin”[...] “besonders gefallen hat” ;), ich finde die Rilke Zitate und co (außer das von Tagore auf der letzten seite, das bildet einen schönen Abschluss) irgendwie unpassend^^ sie passen zwar oft zum Inhalt aber was hat Meredith (oder der Reitsport) mit Rilke zu tun? Glaube nicht, dass es ihr persönlicher Lieblingspoet ist… :D
    Es macht das Buch natürlich nicht schlechter aber finde nicht, dass es ein Highlight ist :D

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