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Buchtipp: Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd

| Test & Bewertung | 29. Juli 2013   (Veröffentlicht: 15. Februar 2013)

 
Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd

FN-Verlag – “Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd im Dressur- und Springreiten”

„Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd im Dressur- und Springreiten“ – ein langer Titel, der vielleicht zunächst etwas abschrecken könnte, da er klingt wie eine sehr fachspezifische Abhandlung. Fast könnte man meinen, es sei der Titel einer Diplomarbeit oder anderen Abschlussarbeit.

Doch was hinter „Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd im Dressur- und Springreiten“ in Wahrheit steckt, ist eines der besten Bücher über Dressurreiten und Springen quer durch die Jahrhunderte, das je geschrieben wurde. Kein Wunder, dass es im renommierten FN Verlag im Jahre 2011 erschien.

Das Buch richtet sich an Ausbilder, die ihr Hintergrundwissen erweitern möchten, an Pferdesportler und Freizeitreiter, welche einfach an der Geschichte des Pferdes interessiert sind. Auch möchte ich „Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd im Dressur- und Springreiten“ jungen Reiterinnen und Reitern empfehlen, die in der Schule oder im Studium ein Referat oder eine Hausarbeit über die Geschichte des Reitsports halten/schreiben. In diesem Buch finden sich viele wertvolle und fundierte Informationen.




 

Angelika Frömming, die Autorin

232 Seiten stark ist das Werk. Der Preis liegt mit 34,80 € im höheren Segment, doch ist es jeden Cent wert. Dazu tragen auch die vielen herausragenden Bilder aus der alten Zeit sowie aus der reitsportlichen Moderne bei, die hier erstmals auf diese Art und Weise vereinigt wurden.

Angelika Frömming ist die Autorin des Buches. Sie ist Trägerin des Goldenen Reitabzeichens und seit 20 Jahren internationale Dressurrichterin im Reitsport. 2008 bekam sie für ihre Verdienste das Reiterkreuz in Silber verliehen. 18 Jahre lang prüfte sie in Warendorf Nachwuchsrichter, außerdem gibt sie hochkarätige Seminare und hält Vorträge auch in Warendorf für Pferdewirtschaftsmeister mit dem Schwerpunkt Reiten.

Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass diese Frau Ahnung hat von der Materie, mit der sie sich in „Bilder und Fakten zu Entwicklung der Ausbildung von Reiter und Pferd im Dressur- und Springreiten“ befasst. Auf einem anderen Zettel steht jedoch, wie sie das Thema umgesetzt hat – und hier kann man in diesem Fall, wie oben bereits beschrieben, nur applaudieren!

Entwicklung des Pferde & das Reiten in den Epochen

Frau Frömming beginnt in ihrem Buch mit einem Kapitel über die Entwicklung des Pferdes. Wie wurde aus dem winzigen Eohippus das spätere Streitross und heutige Sportpferd? Welche Typen von Pferden gab es in der Antike, aus denen unsere heutigen Pferde hervorgingen?

Kapitel 2 dreht sich um das Reiten und Fahren in der Antike. Wie sahen die ersten Zeugnisse des Pferdesports von damals aus? Was wurde in den Arenen gezeigt? Wusstet ihr beispielsweise, dass man damals schon die „Ungarische Post“ in den Zirkussen der Römer kannte?

Und wer kennt Xenophon, den größten Pferdekenner der Antike? Seine Reitlehre ist bis heute interessant. Bei den Römern wie auch bei den Germanen entwickelten sich die Pferde weiter zu Streitrössern, was sie auch während der gesamten Antike und des Mittelalters bis hinein in die Neuzeit blieben.

Turniere wurden im Mittelalter weithin bekannt, wie Kapitel 4 beschreibt. Wer kennt es nicht, das Ritterturnier, das bis heute die Menschen begeistert und das bei zahlreichen Festen immer wieder auflebt und bis heute von Rollenspiel-Begeisterten zu Pferde zelebriert wird? Wirkliche Turnierregeln wurden erstmals im 15. Jahrhundert veröffentlicht. Sie sind wohl der Vorläufer der heute so bekannten Richt- und Regelhefte der FN.

Im 16. Jahrhundert erblühte erstmals die klassische, höfische Reitkunst, wie Angelika Frömming ab Kapitel 6 erzählt. Hier werden erstmals wieder nach der Antike berühmte Reitmeister vorgestellt. Und manch einem dürften Namen wie Grisone schon etwas sagen…

Diese Vorstellung der Reitmeister erstreckt sich im Übrigen über das gesamte Buch bis in die Gegenwart und gibt einen sehr guten und informativen Überblick darüber, wie das Reiten in unterschiedlichen Epochen gelehrt wurde und wie die Ausbildung der Pferde aussah. Das hilft auch dabei, heutige Techniken besser zu verstehen und in einem größeren Zusammenhang und Bild zu sehen. Frömming bewertet sowohl das Positive wie auch das Negative an den Lehren verschiedener Jahrhunderte. Dabei stellt sich oft heraus, dass es viele unterschiedliche Ansätze gibt, die zum Erfolg führen können. Es gibt nicht nur einen „Goldenen Weg“, was häufig in der Gegenwart vergessen wird.

Im 17. Jahrhundert entwickelten sich die Lektionen der Hohen Schule weiter, gelangten an Reitakademien des 18. Jahrhunderts (wie der Hofreitschule und der Cadre Noir in Frankreich) zur Perfektion. Gleichzeitig wurden Sättel und vor allem Zäumungen immer aufwändiger.

Motoren ersetzen Pferde

Eine große Trendwende (wenn man zu dieser Zeit schon davon sprechen darf) ereignete sich im 19. Jahrhundert mit der Entwicklung der Motoren und der Mobilität. Immer mehr wurden Pferde in den folgenden 100 Jahren aus dem Verkehr und dem Kriegsgeschehen sowie aus der Landwirtschaft zurückgedrängt und durch industrielle Mittel ersetzt. So intensivierte sich von da an der Pferdesport. Zunächst in Form von Pferderennen, ab dem 20. Jahrhundert dann durch Dressur, Springen und Vielseitigkeit – den heutigen drei klassischen Reitsportdisziplinen.

Damals war bei Pferden eine sehr aufrechte Haltung mit hohem Kopf gefragt. In militärischen Akademien wurde dies ebenso mit Hochbinden des Kopfes gefördert wie durch Ausbinder, die den Kopf bei Kutschpferden im Verkehr hochzerrten. Man hatte damals offenbar Methoden, die weit brutaler wirken wie die heutige Hyperflexion. Das soll diese nicht entschuldigen und die schwarzen Schafe nicht von Schuld freisprechen. Doch man sieht dadurch, dass in der Vergangenheit viele Dinge passierten, die im heutigen Pferdesport nicht mehr zugelassen würden…

Extreme Bewegungen gab es auch damals übrigens schon – der Beinschlag manches militärisch ausgebildeten Pferdes im Buch lässt einen heutigen Totilas fast „alt“ aussehen. Auch dies war sicherlich kein natürlich herausgebrachter Bewegungsablauf…

 Reiten wird zur Sportart

Das 20. und das 21. Jahrhundert nehmen mehr als die Hälfte des Buches ein. Hier beschreibt Angelika Frömming besonders ausführlich, wie sie Dressur und Springen zu den heutigen Sportarten wandelten. Hier ist der Zweite Weltkrieg das einschneidende Ereignis. Danach erfolgte der Abschied von der militärischen Reiterei und endlich fanden auch Damen im Sport ihren Platz (auch wenn es schon vorher auch sportlich erfolgreiche Reiterinnen gab, war dies noch nicht in einem großen Rahmen möglich).

Doch welche Bedeutung hatte die Kavallerie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts? Welches waren die bedeutenden Reiter dieser Zeit und wie ritten sie?

Und wie ging es nach dem großen Krieg weiter bis in die heutigen Zeiten, als junge Damen wie Isabell Werth, Nicole Uphoff oder die Niederländerin Anky van Grunsven auftrumpften? Wie änderte sich der Sitz des Reiters, die Ausbildung des Pferdes in der Dressur? Und wie veränderte sich das Pedigree der Pferde?

Kapitel 12 bietet eine Zusammenfassung der Entwicklung der Ausbildung des Pferdes im Dressurreiten, die diesen Block sehr gut abschließt. Knapp 70 Seiten sind abschließend noch dem Springen vorbehalten. Wenn man die ersten Versuche des Springreitens im 19. Jahrhundert betrachtet, könnte man über den damaligen Reitersitz oftmals schmunzeln. Erst Caprilli führte Anfang des 20. Jahrhunderts schließlich den heutigen „leichten Sitz“ ein.

Aber wie sahen Parcours vor und nach dem Krieg aus? Wie entwickelte sich der „zivile“ Springsport aus der militärischen Reiterei? Welche Pferde und Reiter prägten ihre Zeit?

Fazit

Am Ende des Buches gibt es noch einmal eine schöne zusammenfassende Tabelle, welche die Weltgeschichte und Kunst-/Kulturgeschichte in Zusammenhang stellt mit der Entwicklung im Reitsport.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird klar, dass auch der Reitsport ein Stück Kulturgut ist, der durch dieses Buch auf bestmögliche Art und Weise dem Leser nähergebracht wird.

Das Buch ist ein erstklassiges Geschenk für Pferdefreunde zu allen möglichen Anlässen und unbedingt für jeden lesenswert, der sich für die Geschichte und Kultur des Pferdes und Reitsports interessiert.

Bezugsquelle

VN:F [1.9.22_1171]

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